[Himmelsatlas (1826)]  [Atlas coelestis (1826)]  [Celestial atlas (1826)]  [Atlas céleste]
[Vorwort (1826)]  [Vergleich mit Flamsteed (1729) und Fortin (1776)]


Vorwort

Die Idee des Herrn König, - für Liebhaber der Sternkenntnis einen kleinen Himmels-Atlas in vereinzelten Blättern zu besorgen, wo die Fixsterne, von der ersten bis zur fünften Grösse, transparent auf schwarzem Grunde erscheinen, ist glücklich, sinnreich und grossen Theils neu, und auch von Kennern und Männern vom Fache Beyfall und Aufmunterung erhalten.
Der beliebte, und immer noch sehr gesuchte kleine Flamsteedsche Atlas ist diesen Cärtchen zum Grunde gelegt. Format, gefällige Zeichnung und Nichtüberladung mit kleinen Sternen eigneten ihn vorzüglich dazu. Für möglichst treue Nachbildung desselben bürgen Fleiss und Genauigkeit des Hrn. Herausgebers. Nur hin und wieder hat sich der geschmackvolle Künstler für eine etwas elegantere Zeichnung der Figuren einige erlaubte Freyheit genommen, doch so, dass der Hauptzweck dieser Figuren immer im Auge behalten, und die Stellung der Sterne in denselben nicht verändert ward.
Mit diesen, schon an sich durch Zeichnung, durch mythologische und historische Bedeutung ansprechenden, Blättern zur Hand wird es in der That jedermann leicht, und auch anziehend, sich nach und nach eine Kenntnis der vorzüglichern Sterne und Stern-Gruppen zu erwerben, sobald er einmal einige wenige derselben, z.B. den grossen und kleinen Bären, den Polarstern u.s.w. durch eine gute gedruckte, oder besser noch durch eine mündliche Anleitung kennen gelernt hat.
Es kann und wird Vergnügen gewähren, an langen Winter-Abenden diese hübschen Stern-Gruppen gegen dem Lichte oder vor dem Camine zu durchgehen, der Einbildungskraft einzuprägen, und dann in schönen hellen Nächten am Himmel aufzusuchen. - Einige Knaben und Mädchen, welche Herr König bey Ausfertigung der Cärtchen beschäftigte, kamen jedesmal mit Jubel ins Arbeitszimmer zurück, wann ihnen eines der bearbeiteten Gestirne ganz kenntlich am Himmel neu aufgegangen war.
Die auf der Rückseite beygefügten kurzen Nachweisungen über den Standort der Sterne beym Eintritte der Nacht enthalten nur beyläufige Angaben darüber, und können natürlich nicht die ausführlichern Anleitungen zur Kenntnis des gestirnten Himmels vertreten, von welchen immer noch diejenigen von Bode (nach der neusten, neunten Auflage vom Jahre 1823) die genauste und beste ist. Da der Stand der Sterne von Monat zu Monat, ja von 14 Tagen zu 14 Tagen schon auffallend ändert, und das nämliche Sternbild, das z.B. heute Abends 8 Uhr gerade am Meridian steht, und seinen höchsten Stand am Himmel erreicht, nach einem Monat schon um den zwölften Theil seines Kreislaufes nach Westen niedergestiegen ist, so ist es unmöglich, eine solche allgemeine Anleitung in wenige Worte zusammen zu drängen. Indessen können die gegebenen kurzen Notizen doch wesentlich dienen, wenn man sich zugleich an das erinnert, was so eben über das Fortrücken der Sterne von Osten nach Westen gesagt ist.
Es spricht der gestirnte Himmel auf wundersam erhebende Weise das Gemüth eines jeden nicht ganz verwahrloseten Menschen an. Es lässt sich dieser Anblick mit keinem andern vergleichen. Schon in früher Jugend entzücken uns diese Lichter des Himmels, und später im Gedränge des Lebens, - auf Reisen, - beym Aufenthalt in der Fremde überraschen uns oft diese frühern, oft einzig gebliebenen Bekannten.
An sich knüpft sich dann so mache Erinnerung, so manches Traumbild unsers ersten Lebens, so manche Ahnung, die erfüllt oder nicht erfüllt ward!
Reisebeschreiber und Dichter, - unter diesen besonders die Alten, sind voll erhebender Beschreibungen dieses überirdischen Schauspiels. Wir wenden bey unserer heutigen oft so schalen und flachen Erziehung so vieles an scheingelehrten Tand, an spielende Gegenstände und Versinnlichungen des Unterrichtes; - sollte die Pracht des gestirnten Himmels, von welchem Wunder aller Wunder die Bibel so oft mit Erhebung spricht, nicht auch eine bescheidene Stelle bey diesem Unterrichte - zumal bey dem häuslichen - verdienen? Nicht leicht eignet sich wohl ein Unterricht - zumal im Mundes eines gemüthlichen Vaters, einer guten Mutter, zu mehr erhebenden, stärkenden, tröstenden Betrachtungen, zu lebendigern, bleibenden und wahrhaft religiösen Eindrücken.

Bern, im Dezember 1826

F. Trechsel, Prof.

Nachgeführt: 12. September 1996 von Thomas Klöti