Unterstützung beim Forschungsdatenmanagement durch Bibliotheken – praktische Erfahrungen aus Edinburgh

Forschungsdaten (FD) gehören im Moment zu den am stärksten diskutierten Themen im Bereich der Wissenschaftsunterstützung. Dass Bibliotheken hier an vorderster Front mitmischen, zeigt sich z.B. daran, dass der deutsche Branchenverband vdb das neueste Heft seiner Zeitschrift o-bib schwerpunktmässig diesem Thema gewidmet hat. Doch stehen die «Parameter der neuen Open Science-Landschaft noch nicht fest», vieles ist noch im Fluss. Für jemanden, der (wie ich) gerade dabei ist, seinen Weg in die Welt der Informationsinfrastruktur zu finden, war es daher eine faszinierende Möglichkeit, ein vierwöchiges Praktikum im Research Data Support (RDS) der Information Services der Universität Edinburgh (IS) machen zu können – an einer Adresse, die für ihre führende Expertise im Bereich Forschungsdatenmanagement (FDM) bekannt ist.

Gezielte Unterstützung bei der Datenmanagement-Planung

Zum Angebot des RDS gehört nicht nur eine differenzierte Architektur diverser FDM-Tools, sondern auch eine sehr aktive Unterstützung beim Ausarbeiten von Datenmanagement-Plänen (DMP). Eine zentrale Rolle spielt dabei das online-Tool dmponline, das von dem ebenfalls in Edinburgh angesiedelten Digtal Curation Centre bereitgestellt wird. In diesem Tool können Forschende die DMP-Formulare ihres jeweiligen Förderers als Eingabemasken aufrufen und sich insitutionenspezifische Hinweise und Hilfen zu den einzelnen Fragen der DMP-Formulare anzeigen lassen.

Derzeit arbeitet der RDS daran, diese Unterstützung mit Blick auf die Bedürfnisse der einzelnen Institute der Universität weiter auszudifferenzieren. In diesem Rahmen war das von mir bearbeitete Projekt angesiedelt, in dessen Verlauf ich Forschende und Unterstützungspersonal dreier Institute aus den Natur- und Lebenswissenschaften sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften zu ihren Praktiken und Erfahrungen mit FDM und dem Schreiben von DMP befragte. Die Untersuchung bestätigte, dass es in verschiedenen Instituten der Universität verschiedene Niveaus bezüglich Erfahrung mit FDM und entsprechender guter Praxis gibt. Wo datenintensive Forschung betrieben wird, waren gute Praktiken des Datenmanagements und eine robuste Support-Struktur seitens der IT und anderen Personals vorhanden, andernorts müssen sich Informationswege und gemeisame gute Praktiken erst noch festigen.

Im Kontext dieses Blogs dürften gerade die Strukturen von Interesse sein, mittels derer die Forschenden beim FDM unterstützt werden. Die folgende grobe Skizze gibt meine Perspektive wieder – eine wichtige Einschränkung angesichts der Tatsache, dass, wie man mit trockenem Witz bemerkte, die Universität Edinburgh (wie viele andere) ein Gebilde ist, das zu verstehen Jahre brauchen kann.

Personen und Strukturen

Der RDS bestand zum Zeitpunkt meines Einblicks (Juli/August 2018) aus sechs Personen (nach Zuwachs im Frühjahr 2018) und er unterhält ein breitgefächertes Spektrum an Aufgaben und Aktivitäten. Besonders wichtig für mich war der Aspekt, wie dort Kontakte zu den Forschenden etabliert werden. Dies geschieht über Hilfe beim Schreiben von Datenmanagement-Plänen (DMP), gelegentlich auch über Vorträge der RDS-Mitarbeiter in den Intituten, vor allem aber über Kontakte zu dem zu den Instituten gehörigen Unterstützungspersonal.

Es handelt sich dabei um akademisches Verwaltungspersonal der Institute, das die Wissenschaftler bei organisatorischen und Infrastruktur-Fragen unterstützt. Manche der Personen, die ich treffen konnte, tun das in Teilzeit neben anderen Aufgaben (z.B. in der Finanzverwaltung), aber die Zuständigkeit für Wissenschaftsunterstützung und FD reflektiert sich klar in ihren Stellenbezeichnungen (z.B. Research Data Officer, Science & Strategy Coordinator, College Reseach Manager). Daneben fungiert auch IT- und technisches Personal als erste Ansprechstation für Fragen der Forschenden zu FDM. Die Tiefe der verfügbaren Expertise und damit der gebotenen Unterstützung ist von den Gegebenheiten des jeweiligen Instituts abhängig; gerade in den Fällen, wo noch keine weitreichenden Erfahrungen mit FDM bestehen, werden Fragende regelmässig an die zentrale RDS-Abteilung verwiesen. Teilweise war gerade auf dieser Seite der Wunsch, mit dem RDS zusammenzuarbeiten, sehr ausgeprägt.

Die Personen im Fachreferat – die hier als Academic support librarians (ASL) bezeichnet werden –, mit denen ich sprechen konnte, betreuen geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer. Sie nannten als ihre Hauptarbeitsfelder E-Medien (v.a. Anschaffungsentscheide) sowie Angebote im IK-Bereich. Bezüglich FDM war hier keine tiefgehende Spezialexpertise, wohl aber Überblickswissen anzutreffen; für Erstere wird auch hier an den IS RDS weiterverwiesen. Allerdings kommt es in diesem Fachbereich offenbar nur sehr selten vor, dass ASL von Forschenden mit Fragen zu FDM kontaktiert werden.

Ein Fazit

Im Lauf der Arbeit an meinem Projekt erwies sich die Hilfs- und Gesprächsbereitschaft, mit der die von mir kontaktierten Personen sich Zeit für Interviews und Online-Umfragen nahmen und Auskunft über die Praktiken und Erfahrungen mit FDM gaben, als ausgesprochen inspirierend. Die exzellenten Kontakte des RDS-Teams in die Institute, vor allem zu dem dortigen Unterstützungspersonal waren essenziell für diese Erfahrung. Als sehr nützlich beim Auf- und Ausbau von Unterstützungsdiensten erscheinen mir auch solide Techniken und Tools, die Bedürfnislage der Forschenden kennenzulernen und auszuwerten: Interviews professionell durchführen (für mich persönlich derzeit eher noch ein Ziel für die Zukunft als wirkliche Fertigkeit) sowie das von Jisc bereitgestellte Tool Online Surveys, mit dem sich Online-Umfragen leicht und professionell erstellen, verteilen und auswerten lassen.

All diese unschätzbaren Einblicke und Erfahrungen wären mir unmöglich gewesen ohne das Entgegenkommen und die freundliche Aufnahme durch die Mitarbeitenden des RDS. Zugleich mit einer Aufgeschlossenheit des Umfeldes vermittelten sie die Einsicht, dass wir – bei allen lokal bedingten Unterschieden – letztlich an demselben Ziel arbeiten: die künftige Landschaft der Open Science zu gestalten.

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This is an extended version of my prior post on the RDS’s weblog.

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Fig. 1: LWYang from USA (University of Edinburgh) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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